KlempnerzukunftAusbildung

Fragen zum Beruf

 

 
20.11.2007 07:02:00

Fragen zum Beruf

Im Rahmen meines Studium an der Kölner Journalistenschule für Politik und Wirtschaft habe ich die Aufgabe bekommen, in einer Recherchearbeit einen beliebigen Beruf vorzustellen. Ich habe mich entschieden, den Beruf des Klempners vorzustellen.

Ich würde mich über die Beantwortung folgender Fragen sehr freuen.


- Wie sehen die Arbeitszeiten eines Klempners aus?

- Wer sind die typischen Arbeitsgeber in Ihrem Beruf?-

- Was für eine Rolle spielen Gewerkschaften bzw. Berufsverbände in dem Beruf des Klempners?

- Wie verläuft die Karriere eines Klempners im Idealfall?

- Wie hoch sind die Mindestinvestitionen für jemanden, der sich selbstständig machen will?

- Wie schätzen Sie die Zukunftsaussichten des Berufes ein?

Im Voraus besten Dank für die Unterstützung durch die Klempnerzunft.
L.H.

Antworten zu diesem Thema:

20.11.2007 17:57:00

7996: Re: Fragen zum Beruf

Hallo, liebe Studentin

anbei die Beantwortung deiner Fragen aus Sicht eines Selbstständigen :
- Die Arbeitszeiten variieren nach Saison ( im Sommer von 10-14 Stunden, im Winter von 8-10 Stunden täglich, nach oben offene Skala ), Samstag und Sonntag je nach Bedarf.
- Arbeits - bzw. Auftraggeber sind Private, Kommunen, Baugesellschaften und Architekten. Hier sucht sich vermutlich jeder Klempner seine Klientel selber raus ( der eine macht nur Private, der andere mehr mit Bauträger, usw. )
- Gewerkschaften spielen bei uns keine Rolle ( Gott sei Dank ), ansonsten gibt es die Handwerkskammer, untergeordnet die Kreishandwerkerschaft und dann natürlich noch die einzelnen Fachverbände ( im Falle des Klempners der ZVSHK )
- Karriere ?? sieht jeder natürlich anders. Klassisch gesehen heißt das : 3 Jahre Lehrling, einige Jahre Geselle, danach die Möglichkeit der Meisterprüfung, danach ist offiziell Schluss. Wobei sich natürlich jeder nach eigenem Gusto weiter bilden kann.
- Mindestinvestitionen gibt es nicht. Dem einen reicht eine Garage mit Kleinmaschinen als Alleinunterhalter, der andere zieht eine große Werkstatt mit mehreren Abkantbänken hoch (und braucht dann auch dementsprechend Mitarbeiter, um so einen Betrieb am laufen zu halten ) Grob kann man sagen, dass man ab ca. € 15.000,- loslegen kann, je nach Ansprüchen.
- Unsere Zukunftsaussichten halte ich persönlich für bestens, da wir ja einen wirklich spezialisierten Beruf haben, und die Architektur das Blech an Dach und Fassade wieder endeckt hat. Wir teilen uns mittlerweile zwar das Arbeitsfeld mit dem Dachdecker, dafür führen wir Klempner jetzt auch vermehrt Dachdeckerarbeiten aus.
Ich hoffe, dass ich dir damit weiter helfen konnte.
Gruß, Fiedos
Thread
25.11.2007 22:31:00

7997: Re: Fragen zum Beruf

Zunächst einmal vielen Dank für Ihre Hilfe.

Während meiner Recherche bin ich noch auf weitere Fragen gestoßen. Vielleicht könnten Sie mir nochmals behilflich sein?

- Wie sieht Ihr alltäglicher Berufsalltag aus?
- Gibt es ein Konkurrenzdenken in Ihrem Beruf?
- Was, denken Sie, sind typische Gründe für den Abbruch des Ausbildung?
- Wie viele Existenzgründungen überleben die ersten sieben Jahre?
- Was ist das durchschnittliche Renteneintrittsalter?
- Was sind die gesundheiltlichen Risiken, Krankheiten und Spätfolgen in Ihrem Beruf?

Ich würde mich freuen, wenn Sie mir auch bei diesen Fragen noch einmal behilflich wären.

Beste Grüße, L.H.
Thread
03.12.2007 18:32:00

7998: Re: Fragen zum Beruf

So langsam wird`s aber schwierig. Gehen wir es halt mal an:
- Ich bin ab ca. 6.00 Uhr im Betrieb, checke die Faxe und E - Mails, hoffe dass alle um 7.00 zur Arbeit erscheinen, teile dann noch die einzelnen Gruppen ein, falls nicht schon am Vorabend geschehen, bereite meine eigenen Baustellen vor, auf dem Weg zur Baustelle kommen dann noch superlästige Anrufe rein, lass dann die geplante Baustelle hängen, weil noch "superwichtige " Arbeiten auf anderen Baustellen " superdringlich " erledigt werden müssen ( hätten im nach hinein auch 3 Tage später sein können ), versuche zwischen durch, beim Bäcker oder Metzger ein " Handbrot " mitzunehmen, damit ich nicht verhungere, nachdem tatsächlich produktiven arbeiten auf einer Baustelle krieg ich dann im Büro von meiner Buchhaltung wieder mal mehrere Zettel hingeschmissen, bei wem ich mich dringlichst melden soll bzw. wer mal wieder mit seinen Zahlungen hinten dran ist. Nachdem die Terroranrufe ( wo bleibt mein Geld ??? ) und die Kunden bzw. Architekten befriedig sind ( hoffentlich ), muß noch das Material für die nächsten Tage ( hoffentlich keine Lieferrückstände oder Fehllieferungen ) bestellt werden, und irgend wann sollten auch noch die Angebote bearbeitet werden, damit`s uns in Zukunft nicht langweilig wird. Wenn`s jetzt dazu noch den ganzen Tag über trocken bleibt und auf den verschiedenen Baustellen nichts schief läuft, dann wars ein ganz normaler Arbeitstag.
- Konkurrenzdenken ?? Jede Menge. Ich sag immer, der eine gönnt dem anderen nicht den Dreck unterm Fingernagel. Ist vielleicht etwas übertrieben, stimmt aber im großen und ganzen. Es gibt leider nur sehr wenige Kollegenbetriebe, die fair mit einem umgehen. Wenn " vor meiner Haustür " ein Objekt auszuführen ist, kannst du fast sicher davon ausgehen, dass irgend einer mit einem Dumpingpreis dir den Auftrag wegschnappt, obwohl du ihm bei einer Baustelle " vor seiner Haustür " entgegen gekommen bist ( soll heißen, ich hab ihm meine Angebotspreise gegeben, damit er größere Chancen für diesen Aufrag hat ).
- Abbruch der Ausbildung : Hat es bei mir noch nicht gegeben: Ich hab die immer vorher rausgeschmissen. Aber im Ernst: Die meisten Lehrlinge, welche sich heute zu einer Lehre melden, sind
1. schulisch absolut unterdurchschnittlich
2. versuchen eine Lehre im Handwerk, weil Sie sonst nichts anderes kriegen ( die Bewerbungen kommen dann kurz vor knapp )
3. die merken dann, dass man ja richtig arbeiten muss
Aber Gott sei Dank sind ja nicht alle so. Die besten Erfahrungen habe ich mit Jungs gemacht, deren Väter selber im Handwerk arbeiten, mit jungen Landwirten und interessanterweise mit jungen Spätaussiedlern.
- Existenzgründungen : Wer in unserem Berufszweig einen Betrieb aufgemacht hat, zumindest in meiner Gegend, existiert heute noch. Wie das anderswo ausschaut, keine Ahnung.
- Rentenalter ?? hab ich mir noch keine Gedanken gemacht, ich bin erst 40. Und meine Mitarbeiter sind auch noch zu jung, um da wirklich schon dran zu denken. Was ich von anderen Betrieben bisher mit gekriegt habe, springen die meisten ohnehin schon vorher ( vor allem aus gesundheitlichen Gründen ) ab.
- Gesundheitliche Risiken : Meine Knie sind schon beide operiert ( Verschleiss ), im Durchschnitt muß mind. 1 aus dem Betrieb jährlich zum nähen ( verschnittene Finger ), bis zum heutigen Tag sind dieses Jahr schon 3 ( einschliesslich mir ) etwas schneller als allgemein üblich vom Gerüst abgestiegen ( nix passiert, ausser einigen blauen Flecken ), einer muß wöchentlich zur KG, damit sein Kreuz durchhält, ansonsten ist unser Beruf wahrscheinlich nicht gefährlicher bzw. Krankenstandbehaftet als andere auf dem Bau ausgeführten Berufe.
Ich hoffe, dass alle Fragen hinlänglich beantwortet sind.
Gruß, Fiedos
Thread
07.12.2007 22:36:00

7999: Re: Fragen zum Beruf

Hallo Fiedos, Hallo Studentin

Eine Anmerkung zu Punkt 1, 5 und 6

und irgendwann kommt die Retourkutsche der Workoholiker, die haut dich dann um. Du gehst zum Arzt, der Dir sagt das deine gelenke abgenutzt sind und das Herz auch nicht mehr ganz so mitmacht wie es sollte.
Du bist also an einem langsamen Abgang von der Arbeitswelt, obwohl Du ja noch nicht mal in Pension bist.
Was bringt die verrückte Schufterei mit über 12-14 Std. und das noch bei 6-7 Tagen in der Woche.
Wenn Du dann gehen musst, dankt Dir nicht einmal einer für das was Du für ihn gemacht hast und Jahre später ist man sogar vergessen.

Meine Empfehlung: Schalte das Mühlerad etwas langsamer, solange Du noch kannst und geniesse etwas von der Freizeit die übrigbleibt, denn am Ende hast Du nicht mehr und nicht weniger als jetzt.

Ich habe vor 7 Jahren die Erfahrung auch gemacht, dass man zurückschalten kann. Durchschnitsarbeitszeiten ca 13-16 Std und am Sonntag sas man im Büro um den ganzen Wochenkram zu erledigen. Wärend einer 4 tägigen Ausstellung musste ich am 2. Tag notfallmäsig in die Herzchirurgie ( 2mal vorher die rechte Seite ganz gelämt) wo mir klargemacht wurde, dass ich Beruflich unbedingt reduzieren muss, wass ich mir auch zu Herzen nahm, wie man so schön zu sagen pflegt. Kurze Zeit später 3 mal Schultergelenkoperationen, wobei bei der 3. Op. die ganzen Bänder an der Schultervorderseite abgerissen waren ( Metallplatten sind eingesetzt die das ganze zusammenhalten).
Zu guterletzt kommt dann auch noch der Rücken, wo der Arzt den Vorschlag macht, die unteren 4 Wirbel zu versteiffen, was von mir ganz klar Abgelehnt wird. Was macht der Spengler auf dem dach mit steiffen Wirbeln.
Also schluckt man Heute die Pillen die der Arzt verschreibt und arbeitet schön weiter, da die Schmerzen durch die Medikamente nicht mehrso schlimm sind.

Soviel zur Arbeitswelt eines Spenglers / Klempners

Gruss Roger
Thread
08.12.2007 19:00:00

8000: Re: Fragen zum Beruf

Und trotz allem haben wir einen schönen Beruf ,
wenn wir uns entsprechend austoben dürfen.
Wir setzen den Häusern die induviduelle Form aufs Dach und
uns damit ein "Denkmal"
Meistens sind dann die Narben verblasst


Grüße Klaus
Thread
09.12.2007 07:09:00

8001: Re: Fragen zum Beruf

Hallo Roger.
Eigentlich hast du ja recht. Ich denke aber, dass ich ( meistens ) meinen Beruf gerne ausführe, auch mit diesen Randerscheinungen.
Es muss ja nicht gleich ( hoffentlich !! ) so hart wie bei dir laufen. Vielleicht bin ich ja wirklich ein Workoholic, auf jeden Fall kann ich meine knappe Freizeit nur dann geniessen, wenn in meinem Betrieb alles rund läuft. Ansonsten fühle ich mich unwohl. Schliesslich habe ich die Verantwortung für rund 14 Mitarbeiter, und irgendwann sollte für meinen Nachwuchs der Weg geebnet sein ( bilde ich mir zumindest ein ), imerhin ist unser Betrieb jetzt 108 Jahre alt und der sollte noch ne ganze Weile weiter bestehen.
Na ja, in 2 Wochen dürfte es ja eh etwas ruhiger werden, und dann bleibt vielleicht wieder etwas mehr Zeit für meine Familie und mich.
Grüßle von Fiedos, der jetzt noch ein paar Rechnungen und Angebote bearbeitet ( aber ganz gemütlich, das Radio dudelt auch schon )
Thread
09.12.2007 23:57:00

8002: Re: Fragen zum Beruf

Hallo Fiedos, Roger und KW,
ich möchte mich wirklich ganz herzlich für Ihre Auskünfte bedanken, Sie haben mir alle sehr weitergeholfen! Inzwischen hab ich auch ein ganz anderes Bild von einem Klempner oder auch Spengler als anfangs, und dazu haben Sie einen wesentlichen Teil beigetragen.

Vielen Dank!
Grüße, Ihre "Studentin"
Thread