KlempnerzukunftAusbildung

Ausbildungsabbruch?

 

 
09.09.2006 08:42:00

Ausbildungsabbruch?

Hallo,

heute meldet sich mal ne besorgte Mutter bei Ihnen. Es geht um unseren Sohn M.,17 Jahre er macht zur Zeit eine Ausbildung als Klempner.
Seit dem 01.09. ist er im 2. Lehrjahr.

Gestern hatten wir ein Telefonat mit seinem Chef, in dem er uns mitteilte unser Sohn sei der schlechteste und unfähigste (nicht wörtlich zitiert) Azubi den er je hatte. Im Betrieb wäre er zu kaum etwas zu gebrauchen, seine Leistungen in der Beruffschule und der Handwerkskammer seien genauso schlecht.

Er würde unserem Sohn noch ein halbes Jahr Zeit lassen, in der er sich um 180 Grad wenden müsse,
ansonsten sieht er keine Chance für ihn.

So jetzt noch ein paar Fakten, soweit ich sie als Mutter beurteilen kann.
M. hatte schon immer Schwierigenkeiten beim Lernen, hat einen Hauptschulabschluß mit Notendurchschnitt 3,2 geschafft. In seinem jetztigen Ausbildungsbetrieb machte er vor der Ausbildung ein Praktikum von einer Woche. Sein Chef teste mehrere Bewerber bevor unser Sohn eine Zusage bekam. Er hatte eine Probezeit von 4 Monaten. Nach Ergebnissen von Klassenarbeiten in der Berufsschule hat sich sein Chef nie erkundigt.
In der Berufsschule muss sich unser Sohn schon ziemlich anstrengen um mitzukommen, die meisten seiner Klassenkameraden sind besser qualifiziert haben entweder die Mittlere Reife oder ein Berufsgrundschuljahr und sind um einiges älter als er.
In seinem Berufsschulzeugnis steht eine 5 in Sozialkunde in allen anderen Fächern hat er eine 4 geschafft. Zweimal fand eine überbetriebliche Ausblidung bei der Handwerksammer statt, dort bekam er für seine Arbeiten einmal eine 3 und einmal eine 5.
Seine Noten in Mitarbeit und Betragen liegen bei der Handwerkskammer bei 1,5 - 2.

Bei der Arbeit im Betrieb, ist unser Sohn nach Aussagen seines Chefs sehr zurück, er müsste im 1. Lehrjahr bereits viel mehr können, er gäbe Arbeiten die könne man ihm einfach nicht auftragen.

M. macht viel allgemeine Arbeiten, kehren, laden, Firmenbus putzen und aufräumen, meistens Hilfe beim Dach ein und abdecken ((Tonziegeln), hin und wieder Bleche biegen, Rinnenmontage, Hilfe bei Blechverkleidungen, er bedient auch die Kettensäge (ohne Sicherheitsausrüstung!), die Flex und andere Geräte.

Es handelt sich bei dem Betrieb um eine Dachdeckerei und Klempnerei. So wie ich es mitbekomme hat unser Sohn sehr viel mit Dachdeckerarbeiten zu tun mind. 50%, die ja bestimmt auch teilweise dazu gehören.

Die Sicherheitsvorschriften für Arbeiten auf dem Dach werden kaum eingehalten. (Neulich ist unser Sohn durch ne Dachlatte gebrochen und 2m tief auf das Gerüst gefallen).
Das Berichtsheft führt unser Sohn zuhause in seiner Freizeit. Er macht kurze Tagesberichte (2-3 Zeilen) zu den ausgeübten Tätigkeiten, einmal im Monat einen einfachen Fachbericht (mit Hilfe von Büchern, Internet) über Material oder Arbeiten bei denen er dabei war.
Eine Anleitung zur Führung des Berichtsheftes hat er nicht bekommen. Seine Berichte gibt er nach Aufforderung (ca. alle 8 Wochen) sofort an seinen Chef. Zurückbekommen hat er das Heft zweimal/dreimal mit minimalen Verbesserungen, seit ca. April liegt es bei seinem Chef, weil er nicht dazu kommt, er durchzusehen.

Mit den Gesellen in der Firma versteht sich M. eigentlich ganz gut (obwohl die anscheind hinter dem Rücken unseres Sohnes kein gutes Haar an ihm lassen.) die Arbeit ist ok für ihn.

Berufschule hat unser Sohn Donnerstags gemeinsam mit Anlagenmechanikern in einer Klasse, zusätzlich dienstags 14tägig in einer reinen Klempner-Klasse. Im 2. Lehrjahr soll unser Sohn jetzt überhaupt nicht mehr in die Klempner-Klasse, weil dieser Tag für die Firma ungünstig ist, M. soll jetzt an beiden Berufsschultagen zu den Anlagenmechanikern. (Dies hat sein Chef bereits in der Berufsschule durchgesetzt).

Im Frühjahr hat sich unser Sohn freiwillig um AbH bemüht, dort ist er 1xwöchentlich nach der Berufsschule zur Nachhhilfe.

Ein Ausbildungsplan gibt es nicht in der Firma, uns liegt einer von der Handwerkskammer vor, der stimmt aber nur sehr wenig mit den ausgeführten Tätigkeiten überein.

Macht es überhaupt Sinn die Ausbildung fort zuführen, wenn sein Chef glaubt, das packe er nicht und auf eine Vielzahl von besser qual. Bewerben hinweist?

Danke für Ratschläge im vorraus

Antworten zu diesem Thema:

09.09.2006 11:01:00

7964: Re: Ausbildungsabbruch?

Wenn das wirklich so ist,wie beschrieben sollte Ihr Sohn sich nach einem anderen Betrieb,vorzugsweise einem reinen Klempnerbetrieb(falls es so einen in der Umgebung gibt) umschauen.

Und Argumente wie "der Berufsschultag ist ungünstig" zählen nicht und ach ja: Wenn M. die Probezeit überstanden hat kann sein Chef ihn praktisch nicht mehr entlassen...
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09.09.2006 15:26:00

7965: Re: Ausbildungsabbruch?

Ich als Chef wäre aber auch nicht glücklich wenn nur 4 er und 5 er im Zeugnis stehn.
Vor allem im Überbetrieblichen Kurs ne 5 zu bekommen ist eigendlich schon schwer. Da muss man fast alles falsch machen. Evtl. sollte er sich wirklich mal mehr bemühen.
Macht dem Jungen denn der Beruf Spass? Ist Interesse seinerseits vorhanden?
Habt Ihr Ihn das mal gefragt? Oder lernt er den Beruf nur, damit er nicht auf der Strasse sitzt??
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09.09.2006 20:48:00

7966: Re: Ausbildungsabbruch?

Es ist schon ein starkes Stück einfach einen Lehrling einzustellen aber den Ausbildungsrahmenplan nicht einzuhalten. Dass der Chef sagt ihm passe der Berufsschulwochentag nicht steigert das ganze. Man kann bei der Lehrlingsausbildung kaum einen größeren Fehler machen als den jungen Menschen von Anfang an beizubringen die Unfallverhütungsvorschriften vorsätzlich zu missachten. Einen Lehrling ohne Schnittschutzhose eine Kettensäge bedienen zu lassen ist keine Fahrlässigkeit mehr, sondern Dummheit. Man kann nicht eben mal im Supermarkt ein neues Bein kaufen. Die Handwerksbetriebe heutzutage interessiert es auch nicht wie es mit der Probezeit aussieht oder sonst was, es wird ohne Rücksicht auf Rechtsgrundlagen gekündigt.

Michel
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12.09.2006 06:15:00

7967: Re: Ausbildungsabbruch?

Also den Jungen nicht in die Berufsschule zu schicken, ist ein starkes Stück. Das geht natürlich nicht.Allerdings muss ich aúch sagen dass der Notendurchschnitt nicht gerade zufriedenstellend ist. Nachhilfe ist schon mal ein guter Schritt, evtl. klappt es ja, dass sich der Azubi "um 180 Grad wendet" wie es der Chef nennt.
Das mit dem Ausbildungsrahmen ist so eine Sache, gerade in einem Mischbetrieb hängt es auch sehr stark von der Auftragslage ab.
ist dieser Betrieb auch eun Klempnermeisterbetrieb?
Unser Azubi hat damals von der HWK gesagt bekommen, dass auch ein Dachdeckerbetrieb ohne klempnermeister im Klempnerhandwerk ausbilden darf wenn er in der Handwerksrolle als klempnerei eingetragen ist.

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13.09.2006 21:44:00

7968: Re: Ausbildungsabbruch?

Wenn Ihr Sohn wirklich Freude an diesem Beruf hat, sollte er doch Versuchen mit einem andern Lehrling ( resp. seinem Ausbilder )zusammen zu Üben ( Theorie und Praxis ).

Sollte dies auch nicht funktionieren, würde ich ihm empfehlen den Betrieb zu wechseln, oder sogar auf einen andern Beruf umzusteigen.

Gruss Roger

Ps. wir hatten in der letzten Firma wo ich vor 27 Jahren noch angestellter war auch einen Lehrling der nur mittelmässige bis schlechte Noten brachte. Seine Arbeiten waren auch nicht gerade das was man sich wünschte. Mein damaliger Cheff und ich haben auch über eine Entlassung diskutiert und gaben dem Jungen noch eine letzte Chance.
Ein Jahr später ging er zur Abschlussprüfung und kamm zu unserm Erstaunen mit einer Suppernote durch die Prüfungen.
Ein par Jahre später traf ich Ihn an der Swissbau in Basel wieder an einem Stand als Vertreter für Spenglereimaschinen und Werkzeuge.
Er machte also seinen Weg auch !
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10.10.2006 20:56:00

7969: Re: Ausbildungsabbruch?

Was ist aus deinem Sohn geworden???
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13.10.2006 07:15:00

7970: Re: Ausbildungsabbruch?

Mein Sohn möchte die Ausbildung unbedingt fortsetzen.

Ohne unser zutun hat sich ein Lehrer in der Berufsschule für ihn eingesetzt, damit er in der Klempner Klasse bleiben kann.

Im Betrieb strengt er sich an. Mit Metallarbeiten hat er nach wie vor wenig zu tun.

Seine Berichte führt er und gibt sie auch regelmäßig ab, bekommt sie aber nicht zurück.

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07.11.2006 19:25:00

7971: Re: Ausbildungsabbruch?

sucht den kein klempnermeister im forum einen auszubildenden?
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19.11.2006 11:42:00

7972: Re: Ausbildungsabbruch?

Ich würde Ihnen folgendes raten:
Vereinbaren Sie ein Gespräch mit dem Ausbildungsbetrieb um die Sachlage von Seite des Betriebes zu hören.
Wenn hier keine Einigung über die Plichten und Rechte des Betriebes bzw. des Auszubildenden zu erreichen ist, bietet die zuständige Handwerkskammer unabhängige Schlichter an, die in den Betrieb kommen und versuchen das Verhältniss zwischen Betrieb und Auszubildenden zu bessern.
Ändert sich nach diesen Versuchen nichts, suchen Sie einen anderen Betrieb der die Ausbildung übernimmt.
mfg Flaschner

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