Kuppeldach

Falzonal-Farbaluminium-Kuppel

Kuppelbau im Nordschwarzwald - Erstes orientalisches Klempnerevent
Es ist Montag, bereits um 7.00 Uhr morgens herrscht geschäftiges Treiben in der großen Kamelstallung des Kamelhofes Rotfelden im Nordschwarzwald, ca. 50 km südwestlich von Stuttgart gelegen. Anlässlich des ersten orientalischen Klempnerevents werden von der Werksvertretung Engelhardt Schlagscheren, darunter nagelneue Schechtl-Segmentabkantbänke und eine Forstner Abcoilanlage in den Stall gehievt. Wo zuvor Futtermittel lagerten, werden schwere Eisentische und Rundbiegemaschinen aufgebaut. Die Teilnehmer des Events leisten ganze Arbeit und bereits um 13.00 Uhr erinnert nicht mehr an ein Stroh- und Futterlager für Kamele.

Die Holzkonstruktion der Dachkuppel und der Werkzeugstand für die Kunstspenglerarbeiten sind aufgebaut und der Startschuss für das “Kameltreiben" ist gegeben. Die Eventteilnehmer (alle Namen im Kasten?) teilen sich in 2 Gruppen ein und beginnen parallel an der Kuppeleindeckung, und in der provisorischen Kunstspenglerwerkstatt von Roger Wanner zu arbeiten.

Rauteneindeckung an der kreisrunden Kuppel
Die hölzerne Unterkonstruktion des zwiebelförmigen Dachaufbaus wurde von den “Bucks" bereits im Vorfeld per Laser-Wasserwaage eingeteilt. Die so geschaffenen “Längen- und Breitengrade" dienen den Klempnern vom Kamelhof jetzt als Orientierungshilfe. Um exakt auf den aufgezeichneten Linien zu bleiben, wird zuerst die mittlere Alcan Falzonal Schindelreihe montiert. Diese Rautenreihe mit dem größten Umfang ist daher zur Maßermittlung und als Ausgangspunkt für die gesamte Eindeckung maßgeblich. Per Einsteckfalz wird sehr zügig nach unter weitergedeckt. Hierbei sind viele helfende Hände von Vorteil

Maßermittlung der tiefer gelegenen Rauten, Zuschnitt per Forstner-Abcoiltechnik, Ausklinken am Druma-Ausklinktisch, Falzonal-Schutzfolie entfernen und Abkanten an den Schechtl-Segment-Abkantbänken läuft Hand in Hand. Durch Bombieren der Rauten an der Rundbiegemaschine in Längs- und Querrichtung wird die Formgebung optimiert und die rasche Montage ist mit Paslode-Impulse-Naglern eine wahre Freude.

Am zweiten Eventtag geht es mit neuer Kraft und zusätzlicher Hilfe frisch ans Werk. Der Sockelbereich ist mit Abtropfprofil und Abschlussrauten ebenfalls schnell und fachmännisch befestigt und das “Klempnerteam” beginnt mit den vom “Rautenhorizont” aus gesehenen, aufsteigenden Bauteilen.
Hier kommt traditionelle Einhangfalz-Technik zum Einsatz, wobei auf die sorgfältige Maßeinteilung sehr genau geachtet wird.

Am Nachmittag des zweiten Tages auf dem Kamelhof tauschen die eingangs gebildeten “Teams” die Arbeitsplätze. Das gut eingearbeitete “Kuppelteam” wechselt in den Kunstspengler-Bereich des Drachenschmiedes Roger Wanner. Im Gegenzug werden die “Kameltreiber” der Kupferkamele in die Rautentechnik der Kuppelbekleidung eingewiesen. Schon am Mittwoch ist Team II am oberen Kuppelabschluss angelangt.

Kameltreiben für einen guten Zweck
Unter diesem Motto weist Kunstspengler Roger Wanner bereits am Montag die erste Kunstspenglergruppe in die Geheimnisse der Kupfer-"Kamel"-Treibtechnik ein. Vorlagen werden ausgesucht, Kupferplatten von KME zugeschnitten und Spezialwerkzeuge sowie die Anwendung des, von der Fischer GmbH gestelltenTreibkitts, erklärt. Am massiven Eisentisch wird gehämmert was das Zeug hält und die Motivation verhindert regelmäßig das pünktliche Einhalten der Mittags- und Abendessenspausen. Ob alter “Klempnerhase" oder Lehrling im ersten Ausbildungsjahr – für jeden hält “Roger" die richtige Aufgabe bereit und führt seine “Kameltreiber" geschickt ans Ziel. Manch einer kann sich Montags noch nicht vorstellen, dass er am Ende dieses Events wunderschöne Kamelbilder aus Kupfer in Händen halten wird. Einzig die Ankündigung “fertige Arbeiten werden zugunsten des Kamelhofes versteigert" beunruhigt den einen oder anderen Klempnermann. Daher entschied man sich, die Auktion abzusagen und sorgte so für noch glücklichere Teilnehmer, die allesamt ihre Arbeiten mit nach Hause nehmen konnten.

Volles Programm
Aber nicht nur “Kameltreiben" mit KME-Kupfer und Kuppelbekleiden mit Alcan-Falzonal-Rauten steht auf dem Programm. Bereits am Montag führt Klaus Stern vom technischen Außendienst bei Enke den Umgang mit Enke-PUR-Flüssigkunststoff vor. Die Eventteilnehmer ergreifen sofort die Chance, sich mit dem Werkstoff vertraut zu machen und beschichteten unter fachlicher Anleitung den Kuppelsockel. Auch das auf der Dach + Wand von der Corous-Group vorgestellte Lötverfahren Kalzip AL 03 Pro für Aluminium steht auf dem Programm. Herr Dietmar Schuh, von der Technologieabteilung bei Corous Bausysteme GmbH ist eigens für die Lötvorführung aus Koblenz angereist. Auch hier wird reger Gebrauch von der Möglichkeit, den Lötkolben selbst in die Hand zu nehmen, gemacht. Nach fast 3 Stunden haben Teilnehmer und Tagesgäste die erste Aluminium-Löterfahrung hinter sich gebracht.

“Kameltreiber” unterwegs
Am Donnerstag sind Betriebsbesichtigungen bei den Firmen Barth in Renningen und Engelhardt in Münchingen geplant. Herr Harald Baisch begrüßt die Eventteilnehmer am Eingangsportal der Firma Barth und startet sogleich zur Hausführung. Neben den beeindruckenden, verschiebbaren Hochregalen sorgt die große Produktvielfalt des Metall- und Materiallagers und vor allem die Großcoilbearbeitung für Staunen. Die große Lagerhaltung bei “Barth" garantiert prompten Lieferservice und der sehr gut eingerichtete Werkstattbereich versorgt die Kunden außerdem mit Kantprofilen aller Art – von Metalldachscharen über Spezialprofile, bis hin zu Rundgauben-Metalldächern – und das mit extrem kurzen Lieferzeiten. Nach den von der Firma Barth gesponserte Mittagessen setzte sich der Eventteilnehmnerkonvoi in Richtung Werksvertretung Engelhardt nach Münchingen in Bewegung.

In Münchingen angelangt, führt Rene Engelhardt die Gäste durch sein Firmengebäude und glänzte dabei mit einer sehr umfangreichen Ausstellung von Blechbearbeitungsmaschinen und Werkzeugen. Abcoil-Anlagen, Abkantbänke und Tafelscheren sowie Klempner-Spezialwerkzeuge lassen “Klempneraugen” aufleuchten und steigerten den Pulsschlag von Spenglerherzen. Aber auch fürs leibliche Wohl ist gesorgt und Roger Wanner bedankt sich für die Gastfreundschaft mit einem Dudelsack-Ständchen zwischen den Abkantbänken.

Klempnertheorie auf dem Kamelhof
Am Freitag steht das große Vortragsprogramm des ersten orientalischen Klempnerevents auf der Tagesordnung. Unter den interessierten Gästen aus der Klempnerszene sind nicht nur Kollegen aus Baden Württemberg und Bayern angereist. Auch Klaus Siepenkort von klempnerhandwerk.de ist mit einer Spende im Gepäck eigens aus Münster angereist.

Den Besuchern bietet sich die Möglichkeit sich über Kunstspenglertätigkeit und Rautentechnik an kreisrunden Baukörpern zu informieren. Die Teilnehmer beantworten dazu viele Fragen und demonstrieren anhand von Rautenmustern die Vorgehensweise. Die Kunstspenglerarbeiten werden auch während des Vortragstages demonstriert und so können die Besucher viel Praxisnahes mit nach Hause nehmen. Die Vortragsreihe eröffnet Wolf Binder von der Firma Alcan aus Göttingen. Er zeigt mit Humor und vielen Bildern, wie Farbaluminium in der modernen Architektur zum Einsatz kommt. Auch die Firma Rheinzink aus Datteln ist am Vortragsprogramm beteiligt. Mit dem Thema: “Solarenergie – architektonisch anspruchsvoll in Metalldach integriert" stellt Herr Fellenberg von Rheinzink die neuen Systeme zur Strom- und Wärmegewinnung vor. Zusammen mit Herrn Fellenberg sind die Herren Frank Neumann und Friedolin Bening sowie Frau Margarete Schamberger von Rheinzink angereist. Herr Berthold Zürn von KME berichtet über Falz und Paneeltechik im Fassadenbereich. Mit vielen Beispielen aus seiner Beratungstätigkeit für KME ist sein Vortrag sehr praxisnah. Das Vortragsprogramm wird durch den eigens aus Düsseldorf angereisten Vorführwagen, dem “Durstlöschzug" von ENKE abgerundet. Hier sind alle ENKE-Produkte zum Anfassen präsentiert und der Kuppelsockel, eigens mit einer für dieses Projekt hergestellten grünen Farbvariante des Flüssigkunststoffes ENKE PUR beschichtet, steht als praxisnahes Anschauungsobjekt zur Verfügung.

Nach so viel Klempnertechnik und einer erfolgreichen Woche auf dem Kamelhof wird am Freitagabend ein Grillfest gefeiert, an das sicher noch lange gedacht wird. Nicht nur die Eventteilnehmer, sondern auch die Sponsoren und eigens angereiste Kollegen (stellvertretend seien Jens Sperber aus Thüringen, Georg Lummel aus Karlstadt und Bodo Hinz aus Sydney genannt) feiern und fachsimpeln bis tief in die Nacht hinein.

Richtfest und Eventabschluß
Am Samstagmorgen sind die ersten Teilnehmer bereits ab 8.00 Uhr in der Klempnerwerkstatt auf dem Kamelhof um letzte Vorbereitungen für das Richtfest zu treffen, da steht völlig überraschend das Fernsehteam des Südfunks auf dem Hof. Für die “Landesschau" soll eine Reportage über die kameltreibenden Klempner und deren Bemühung bezüglich der Öffentlichkeitsarbeit entstehen. Interviews werden gegeben und Klempnertechnik ins Rechte “Fernseh"-Licht gerückt. Mit einer Bauchtanzeinlage parallel zu den Dreharbeiten kommt der Zeitpunkt der Kuppelhebung immer näher. Um 14.00 Uhr ist es soweit. Der vom ENKE-Werk gesponserte Autokran setzt die Kuppel behutsam auf das Dach des Kamelhofes. Das Kuppeldach “landet" passgenau auf dem Enke PUR beschichtetem Sockel und nach dem Aufsetzen des von Roger Wanner gefertigten “Wetterkamels" sind Andreas und Martin Buck von der “Klempnerzukunft" sichtlich erleichtert, den Organisations-Marathon erfolgreich zum Abschluss gebracht zu haben. Die Sponsoren und Eventteilnehmer sowie die Gäste von nah und fern können nun den Heimweg antreten und auf eine erlebnisreiche Woche zurückblicken, die sie so schnell wohl nicht vergessen werden. Die Organisatoren bedanken sich nochmals bei allen Mitwirkenden und besonders beim Team des Kamelhofes in Rotfelden.


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