Klempnertechnik in der Toscana
Als Klempner auf Sightseeingtour in der Toscana
Keine Wolke hängt am Himmel und das Außenthermometer steigt auf 32° Celsius. In der Ferne taucht die Silhouette der toscanischen Stadt Volterra auf. Steil führen die Serpentinen auf 531 Höhenmeter und aus den Umrissen der mittelalterlichen Festung beginnen sich langsam Details herauszulösen. Als leidenschaftlicher Klempner fällt mein Blick natürlich zuerst auf die Dächer der vor mir liegenden Stadt. Terrakottafarbene Tonziegel in toscanischem Stil prägen die sichtbar werdende Dachlandschaft. Noch eine Biegung und ich bin am Ziel, bereit, mit der Erkundung Volterras zu beginnen.
Völlig unerwartet blendet mich der vertraute Glanz einer nagelneuen Kupfereindeckung
(Bild 1). Am Stadtrand schiebt sich unwirklich ein Neubau vor die romantische Kulisse, welcher den “normalen" Urlauber nicht unbedingt begeistern dürfte. Instinktiv trete ich auf die Bremse, suche eine Parkmöglichkeit und gehe zielstrebig auf die Baustelle zu. Schnell ist ein Aufgang am italienischen Gerüst gefunden und Details können unter die Lupe genommen werden. An der Traufe begrüßen mich groß dimensionierte Dachrinnen (Bild 2), die auf starke Regengüsse in diesem Gebiet der Toscana schließen lassen. Die Nahtverbindungen der Kastenrinnen sind genietet und geklebt. Ein großes Traufprofil (befestigt mit überdimensionalen Spenglerschrauben) bildet den Übergang zu dieser etwas anderen Kupfereindeckung. Nach Scharen suche ich vergeblich, die Dachfläche erinnert eher an eine Art von Schindeldeckung. Bei genauerem Hinsehen ist schnell klar, dass es sich um einzelne Schindeln, welche mit einer ca. 0,2 – 0,3 mm dünnen Folie überzogen sind, handelt (das Trägermaterial ist vermutlich bituminös).
Da sich die Schindeln nicht anheben lassen (Bild 3), müssen sie vollflächig miteinander und mit dem Untergrund verklebt sein. In der Dachfläche sind Schneestopper angeordnet, welche mich vermuten lassen, dass es auch in der Toscana durchaus Schneeschauer geben kann. Am Ortganganschluss ist die hinterlüftete Holzschalung noch teilweise sichtbar. Ein mit Rundlöchern gestanzter Streifen ermöglicht die Querlüftung unter der Dachfläche.
Die Dachdurchdringungen (Bild 4) wurden in “Dachdeckertechnik” eingearbeitet und erinnern an Dachflächenlüfter in einer Bitumendachdeckung.
Nach der Besichtigung dieses untypischen toscanischen Daches betrete ich die historischen Gassen der aus der etruskischen Blütezeit im 4. Jh. v. Chr. stammenden Stadt. Und wieder stolpere ich fast buchstäblich über kupferne Bauteile aus der “Klempnerwelt”. Anschlüsse der Regenrinnen und Regenrohre an die Kanalisation scheinen nicht zu existieren. Jeder Regenrohrstrang endet mit einem “gefalzten” 72°-Bogen. Dabei fallen 3 Arten der Bögen besonders auf (Bild unten). Es existieren neben neuen und verbeulten Bögen auch “alkalisch geschützte” Bauteile. .
Ebenfalls sehenswert sind die formschönen Trichter, die meist 2 bis 3 Rohrleitungen zusammenfassen und das Wasser sicher zum Auslaufpunkt führen (Bild unten).
Beim Weiterschlendern entdecke ich einen “gedrehten" und durch Stuck verzierten Schornstein (Bild unten), welcher den einen oder anderen Meisterschüler bestimmt zum Nachbau als Kupferschornsteinbekleidung animiert.
Nicht zum Nachbau zu empfehlen ist dagegen dieser bogenförmige Seitenkehlanschluss.
Nach dem Motto: viel hilft viel – wurde an diesem Detail mit Dichtmasse nicht gespart.
Eine toscanische Besonderheit stellen die hierzulande oft verwendeten Rinnenhalter dar, welche meist vom Maurer direkt auf der Betondecke montiert werden. Wulstseitig besteht eine Ausprägung, die wie ein Haken nach unten zeigt (Bild unten und links). Durch einen eingehängten Draht wird die Rinnenwulst nieder gehalten, wobei dieser Draht dann an der Rinnenrückkantung befestigt ist – fertig!
Erst als die Nacht über Volterra hereinbricht begebe ich mich auf den Rückweg zu meinem Hotel und freue mich über die vielen Bilder, die ich als besonderes Souvenir mit nach Hause bringe.
Keine Wolke hängt am Himmel und das Außenthermometer steigt auf 32° Celsius. In der Ferne taucht die Silhouette der toscanischen Stadt Volterra auf. Steil führen die Serpentinen auf 531 Höhenmeter und aus den Umrissen der mittelalterlichen Festung beginnen sich langsam Details herauszulösen. Als leidenschaftlicher Klempner fällt mein Blick natürlich zuerst auf die Dächer der vor mir liegenden Stadt. Terrakottafarbene Tonziegel in toscanischem Stil prägen die sichtbar werdende Dachlandschaft. Noch eine Biegung und ich bin am Ziel, bereit, mit der Erkundung Volterras zu beginnen.
Völlig unerwartet blendet mich der vertraute Glanz einer nagelneuen Kupfereindeckung
(Bild 1). Am Stadtrand schiebt sich unwirklich ein Neubau vor die romantische Kulisse, welcher den “normalen" Urlauber nicht unbedingt begeistern dürfte. Instinktiv trete ich auf die Bremse, suche eine Parkmöglichkeit und gehe zielstrebig auf die Baustelle zu. Schnell ist ein Aufgang am italienischen Gerüst gefunden und Details können unter die Lupe genommen werden. An der Traufe begrüßen mich groß dimensionierte Dachrinnen (Bild 2), die auf starke Regengüsse in diesem Gebiet der Toscana schließen lassen. Die Nahtverbindungen der Kastenrinnen sind genietet und geklebt. Ein großes Traufprofil (befestigt mit überdimensionalen Spenglerschrauben) bildet den Übergang zu dieser etwas anderen Kupfereindeckung. Nach Scharen suche ich vergeblich, die Dachfläche erinnert eher an eine Art von Schindeldeckung. Bei genauerem Hinsehen ist schnell klar, dass es sich um einzelne Schindeln, welche mit einer ca. 0,2 – 0,3 mm dünnen Folie überzogen sind, handelt (das Trägermaterial ist vermutlich bituminös).
Da sich die Schindeln nicht anheben lassen (Bild 3), müssen sie vollflächig miteinander und mit dem Untergrund verklebt sein. In der Dachfläche sind Schneestopper angeordnet, welche mich vermuten lassen, dass es auch in der Toscana durchaus Schneeschauer geben kann. Am Ortganganschluss ist die hinterlüftete Holzschalung noch teilweise sichtbar. Ein mit Rundlöchern gestanzter Streifen ermöglicht die Querlüftung unter der Dachfläche.
Die Dachdurchdringungen (Bild 4) wurden in “Dachdeckertechnik” eingearbeitet und erinnern an Dachflächenlüfter in einer Bitumendachdeckung.
Nach der Besichtigung dieses untypischen toscanischen Daches betrete ich die historischen Gassen der aus der etruskischen Blütezeit im 4. Jh. v. Chr. stammenden Stadt. Und wieder stolpere ich fast buchstäblich über kupferne Bauteile aus der “Klempnerwelt”. Anschlüsse der Regenrinnen und Regenrohre an die Kanalisation scheinen nicht zu existieren. Jeder Regenrohrstrang endet mit einem “gefalzten” 72°-Bogen. Dabei fallen 3 Arten der Bögen besonders auf (Bild unten). Es existieren neben neuen und verbeulten Bögen auch “alkalisch geschützte” Bauteile. .
Ebenfalls sehenswert sind die formschönen Trichter, die meist 2 bis 3 Rohrleitungen zusammenfassen und das Wasser sicher zum Auslaufpunkt führen (Bild unten).
Beim Weiterschlendern entdecke ich einen “gedrehten" und durch Stuck verzierten Schornstein (Bild unten), welcher den einen oder anderen Meisterschüler bestimmt zum Nachbau als Kupferschornsteinbekleidung animiert.
Nicht zum Nachbau zu empfehlen ist dagegen dieser bogenförmige Seitenkehlanschluss.
Nach dem Motto: viel hilft viel – wurde an diesem Detail mit Dichtmasse nicht gespart.
Eine toscanische Besonderheit stellen die hierzulande oft verwendeten Rinnenhalter dar, welche meist vom Maurer direkt auf der Betondecke montiert werden. Wulstseitig besteht eine Ausprägung, die wie ein Haken nach unten zeigt (Bild unten und links). Durch einen eingehängten Draht wird die Rinnenwulst nieder gehalten, wobei dieser Draht dann an der Rinnenrückkantung befestigt ist – fertig!
Erst als die Nacht über Volterra hereinbricht begebe ich mich auf den Rückweg zu meinem Hotel und freue mich über die vielen Bilder, die ich als besonderes Souvenir mit nach Hause bringe.
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