So langsam wird`s aber schwierig. Gehen wir es halt mal an:
- Ich bin ab ca. 6.00 Uhr im Betrieb, checke die Faxe und E - Mails, hoffe dass alle um 7.00 zur Arbeit erscheinen, teile dann noch die einzelnen Gruppen ein, falls nicht schon am Vorabend geschehen, bereite meine eigenen Baustellen vor, auf dem Weg zur Baustelle kommen dann noch superlästige Anrufe rein, lass dann die geplante Baustelle hängen, weil noch "superwichtige " Arbeiten auf anderen Baustellen " superdringlich " erledigt werden müssen ( hätten im nach hinein auch 3 Tage später sein können ), versuche zwischen durch, beim Bäcker oder Metzger ein " Handbrot " mitzunehmen, damit ich nicht verhungere, nachdem tatsächlich produktiven arbeiten auf einer Baustelle krieg ich dann im Büro von meiner Buchhaltung wieder mal mehrere Zettel hingeschmissen, bei wem ich mich dringlichst melden soll bzw. wer mal wieder mit seinen Zahlungen hinten dran ist. Nachdem die Terroranrufe ( wo bleibt mein Geld ??? ) und die Kunden bzw. Architekten befriedig sind ( hoffentlich ), muß noch das Material für die nächsten Tage ( hoffentlich keine Lieferrückstände oder Fehllieferungen ) bestellt werden, und irgend wann sollten auch noch die Angebote bearbeitet werden, damit`s uns in Zukunft nicht langweilig wird. Wenn`s jetzt dazu noch den ganzen Tag über trocken bleibt und auf den verschiedenen Baustellen nichts schief läuft, dann wars ein ganz normaler Arbeitstag.
- Konkurrenzdenken ?? Jede Menge. Ich sag immer, der eine gönnt dem anderen nicht den Dreck unterm Fingernagel. Ist vielleicht etwas übertrieben, stimmt aber im großen und ganzen. Es gibt leider nur sehr wenige Kollegenbetriebe, die fair mit einem umgehen. Wenn " vor meiner Haustür " ein Objekt auszuführen ist, kannst du fast sicher davon ausgehen, dass irgend einer mit einem Dumpingpreis dir den Auftrag wegschnappt, obwohl du ihm bei einer Baustelle " vor seiner Haustür " entgegen gekommen bist ( soll heißen, ich hab ihm meine Angebotspreise gegeben, damit er größere Chancen für diesen Aufrag hat ).
- Abbruch der Ausbildung : Hat es bei mir noch nicht gegeben: Ich hab die immer vorher rausgeschmissen. Aber im Ernst: Die meisten Lehrlinge, welche sich heute zu einer Lehre melden, sind
1. schulisch absolut unterdurchschnittlich
2. versuchen eine Lehre im Handwerk, weil Sie sonst nichts anderes kriegen ( die Bewerbungen kommen dann kurz vor knapp )
3. die merken dann, dass man ja richtig arbeiten muss
Aber Gott sei Dank sind ja nicht alle so. Die besten Erfahrungen habe ich mit Jungs gemacht, deren Väter selber im Handwerk arbeiten, mit jungen Landwirten und interessanterweise mit jungen Spätaussiedlern.
- Existenzgründungen : Wer in unserem Berufszweig einen Betrieb aufgemacht hat, zumindest in meiner Gegend, existiert heute noch. Wie das anderswo ausschaut, keine Ahnung.
- Rentenalter ?? hab ich mir noch keine Gedanken gemacht, ich bin erst 40. Und meine Mitarbeiter sind auch noch zu jung, um da wirklich schon dran zu denken. Was ich von anderen Betrieben bisher mit gekriegt habe, springen die meisten ohnehin schon vorher ( vor allem aus gesundheitlichen Gründen ) ab.
- Gesundheitliche Risiken : Meine Knie sind schon beide operiert ( Verschleiss ), im Durchschnitt muß mind. 1 aus dem Betrieb jährlich zum nähen ( verschnittene Finger ), bis zum heutigen Tag sind dieses Jahr schon 3 ( einschliesslich mir ) etwas schneller als allgemein üblich vom Gerüst abgestiegen ( nix passiert, ausser einigen blauen Flecken ), einer muß wöchentlich zur KG, damit sein Kreuz durchhält, ansonsten ist unser Beruf wahrscheinlich nicht gefährlicher bzw. Krankenstandbehaftet als andere auf dem Bau ausgeführten Berufe.
Ich hoffe, dass alle Fragen hinlänglich beantwortet sind.
Gruß, Fiedos
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